Von oben sieht er aus wie ein riesiger Plattenteller. Und genauso kreisrund und schwarz soll er vom nächsten Frühjahr an Tausende Musikfans einladen zum Erinnern an die Ursprünge einer der berühmtesten Bands der Musikgeschichte: Hamburg setzt den Beatles ein Denkmal. Direkt an der Mündung der Großen Freiheit zur Reeperbahn auf St. Pauli soll ein Beatles-Platz entstehen. Und mitten darauf wird eine Skulpturengruppe der legendären «Pilzköpfe» stehen, die das Zeug hat, zu einem der beliebtesten Motive für Erinnerungsfotos an Hamburg zu werden.
Mit dem Beatles-Platz, sagt Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) am Dienstag, wolle die Hansestadt jenen Ort würdigen, an dem die berühmten Musiker vor 45 Jahren entdeckt wurden und ihre Karriere starteten. Denn der Stadtteil St. Pauli mit seiner Reeperbahn und der Großen Freiheit könne mit großen kulturellen und gastronomischen Traditionen aufwarten, er sei eine wichtige Wiege des Beat gewesen und habe damit ein Stück Musikgeschichte geschrieben. Die Senatorin fügt hinzu: «Und es lohnt sich, daran zu erinnern, was 1960/61 dort war.»
Eben zu jener Zeit kommt eine Gruppe junger Briten von Liverpool nach Hamburg. Im Club «Indra» auf der Großen Freiheit geben die «Silver Beatles», wie sie sich damals nannten, am 17. August 1960 ihr erstes Konzert. Sie spielen im «Kaiserkeller», ebenfalls auf der Großen Freiheit, und im «Top Ten Club» auf der Reeperbahn. Als der auch aus Liverpool stammenden Sänger Tony Sheridan eine Begleitband und die jungen Musiker einen Plattenvertrag suchen, wird der Komponist Bert Kaempfert auf die jungen Leute aufmerksam. Sie kommen ins Geschäft. 1960 und im folgenden Jahr treten sie mehrmals in Hamburg auf, bekannt sind heute vor allem ihre Konzerte im legendären, aber nicht mehr existierenden «Star Club» auf der Großen Freiheit.
Die Musik der jungen Liverpooler ist zwar nicht gerade die Richtung von Swing-Legende Kaempfert, aber er produziert 1961 dennoch eine Platte mit der Gruppe und veröffentlich ihre erste Single «My Bonnie» unter dem Namen «The Beat Brothers». Auf diese Scheibe wird Produzent Brian Epstein aufmerksam. Kaempfert tritt ihm den Vertrag ab, denn er verfolgt andere Ziele. Epstein aber begründet die Weltkarriere der «Fab Four» als Beatles.
Die Idee für einen Beatles-Platz geht auf eine private Initiative zurück und wurde 2001 von dem Hamburger Radiosender Oldie 95 angeschoben. Nicht nur für Beatles-Experten in der Hansestadt ein seit langem überfälliger Schritt, zu dessen Umsetzung die Stadt ihrer Meinung nach unverständlich lange brauchte. Seit dem vergangenen Jahr aber unterstützt der Senat das etwa 100 000 Euro teure Projekt, das ausschließlich über Sponsoren und Spenden finanziert wird. Spender erhalten in limitierter Auflage gedruckte Zertifikate über je zehn Euro.
Baubeginn ist laut Welck Ende dieses, Anfang nächsten Jahres. Zur Fußball-WM solle der Beatles-Platz fertig sein und voraussichtlich im Mai 2006 unter einem speziellen eigenem Logo eingeweiht werden. In den Platz eingelassen werden auch Steine mit Songtexten und beleuchtete Elemente.
Allerdings sei der Platz selbst nur der erste Schritt für eine weiterführende Idee, sagt Ulf Krüger. Er ist Initiator der «Beat City», die sich im Bereich der Großen Freiheit an den Beatles-Platz anschließen soll. Nach Krügers Vorstellungen sollen dort erst einmal all jene Schilder, die nur noch zaghaft an die musikalische Vergangenheit erinnern, einheitlich gestaltet werden. Er denkt auch daran, heute nur sporadisch geführte Beatles-Touren im Viertel fest zu installieren, eine Beatles-Show in Hamburg zu etablieren und regelmäßige Beatles-Weekends zu initiieren.
Erst einmal jedoch kommt der Beatles-Platz. Mancher allerdings wird sich vielleicht wundern, dass die Skulpturengruppe darauf aus fünf Figuren besteht. Doch das, sagt Krüger, geschehe in Erinnerung an die ursprüngliche Zusammensetzung der Band. In ihrer Hamburger Zeit bestanden die Beatles neben John Lennon, Paul McCartney und George Harrison aus dem Schlagzeuger Pete Best und dem Bassgitarristen Stuart Sutcliffe. Ringo Starr stieß erst 1962 zur Gruppe. |